Bienzle – ein Hund, eine Mission – Jahresrückblick!

 

 

Jahresrückblick

 Mensch ist das ein kalter Winter hier.
Ich lerne ja viel grade, z.B. das es kaltes weißes Zeug gibt, das Schnee heißt.

Ich lerne auch, dass Schnee gut schmeckt, aber nur wenn er auch noch ganz weiß ist und nicht gelb „veredelt“

Ich hab auch gelernt, dass das hier wohl der „Weißwurst-Äquator“ ist. Keine Ahnung was das zu bedeuten hat, aber diese Weißwürste schmecken himmlisch!
Wenn Frauchen mal kurz wegschaut mops ich mir schon mal ein Stückchen und schau dann ganz unschuldig.

Ansonsten benehme ich mich langsam immer besser und finde besonders unsere Waldspaziergänge toll.

Nachdem ihr ja beim letzten Mal ein paar meiner lustigen Ideen, wie ich das Leben meiner Familie bunter gestalte, gelesen habt, komme ich heute mal zu meinen Kollegen.

Ich kann Euch sagen, meinem Frauchen sind fast die Augen übergegangen, als sie gelesen hat, was da so alles passiert ist im letzten Jahr im Verein.

Und mir blieb vor Erstarren doch glatt der Sabber weg….

Grade wird mit Corona ja ein wenig die Welt auf den Kopf gestellt.

Menschen, die sonst lange bei der Arbeit sitzen, können das oft von zuhause aus.

Viele von den Menschen haben sich dann den Wunsch nach einem vierbeinigen Gefährten erfüllt.

Das ist mega schön, glaubt mir, ich bin ja auch adoptiert und habe so quasi ein zweites Leben geschenkt bekommen.
Es gibt nur ein Problem: Corona ist nicht immer da und das „Homeoffice“ vieler Menschen war nur für eine gewisse Zeit…

Ihr könnt Euch bestimmt vorstellen, dass einige dann schweren Herzens Ihre Hunde wieder abgeben mussten und da sind wir jetzt: Die Pensionen sind voll, die Tierheime quellen über und keiner hat mehr Zeit für uns. Viele von uns, die damals als Welpen vom Züchter direkt in die Familien kamen, verstehen die Welt nicht mehr. Für uns ist das ja wie Knast! Und das, obwohl wir uns ja nie etwas zu Schulden kommen lassen haben.

Ich muss Euch also mal ein wenig ins Herz reden: Bitte holt nur dann einen vierbeinigen Freund zu Euch nach Hause, wenn ihr ihn auch sicher behalten könnt und das Homeoffice für immer ist.

Da gab es im vergangenen Jahr doch Kumpel, die sich schon auf ihre Menschen freuten und einige Stunden vor Ankunft wurde dann mangels Interesse alles gecancelt!

Fazit, eine Pension musste herhalten, statt der liebevollen Familie, auf die man sich gefreut hatte!

Natürlich können viele von uns auch mal 2-3 Stunden alleine bleiben, aber leider nicht alle und auch nicht für 8 oder gar 10 Stunden. Das ist kein schönes Hundeleben mehr.

Bitte überlegt Euch das vorher gut.

Auch grade, wenn ihr mal krank seid, wer kümmert sich um uns?
Wenn ihr mal in Urlaub fahrt? Gibt’s da jemand im Umfeld? Bitte verlasst Euch nicht auf Pensionen, die sind oft voll und selten gut!

Wir Hunde verstehen nicht was es heißt „geh mal für 2 Wochen da hin und ich hol Dich wieder ab“ für uns ist das schon schlimm, denn wir können nicht mit Euch sprechen und denken vielleicht ihr verlasst uns für immer…. Auch immer im Hinterkopf: wir haben unser „Köfferchen“ mit mehr oder weniger guten oder schlechten Erfahrungen dabei. Und, Verlassensängste sind bei uns eigentlich normal.

Und dann kommt die Kommunikation…ich komme ja selbst aus Gran Canaria und Frauchen sagt, die Kommunikation mit mir wird erst langsam besser, ich spreche noch eher spanisch 😊 Comprende?
Da braucht sie wohl noch Geduld…

Geduld ist generell ein großes Thema….
Da hab ich doch gehört, dass ein paar Kollegen von mir schon nach einer Nacht wieder ausziehen mussten?!
Nach 2 Tagen Transport quer durch halb Europa endlich angekommen und dann wars nicht von Anfang an komplett perfekt? Wie denn auch?!
Stellt Euch mal vor: Ihr werden mehr als 20 Stunden in einem kleinen Käfig rumgeruckelt, es gibt schreiende Babies, einige weinende Damen, bellende Machos und im ganzen Truck ist irgendwie ständig Panik.
Panik, weil einer randaliert wie ein Irrer (das war übrigens ich auf dem letzten Transport, sorry for that!) und alle Angst haben, weil ja keiner weiß was passiert.

Immer wieder sind da Stopps und einige von uns werden rausgeholt und kommen nicht zurück….wir wissen nicht was da passiert! 😲

Bitte versetzt Euch in unsere Lage und habt Verständnis.

Wir sind da im absoluten Panik- und Überlebensmodus! Da ist kein Raum für Zärtlichkeit und gute Manieren.

Da ist nur Angst, Unsicherheit und völlige Erschöpfung, denn ganz ehrlich: Viel Schlafen kann da doch keiner, oder?

Wir sind dann sehr dankbar, wenn ihr uns erstmal 3-4 Tage und Nächte in Ruhe zuhause ankommen lasst und nur das Nötigste mit uns tut. Bitte habt Verständnis, wir haben übelsten Jet-lag…

Und da hilft es auch nicht, wenn man uns mit Psychopharmaka vollpumpt. So auch kürzlich einem Kumpel widerfahren!

Wir Hunde sind nicht unbedingt dazu gemacht das alles sofort zu vergessen, schließlich saßen wir davor oft schon ein paar Monate im „Knast“ alias Tierheim oder in Pensionen, in denen sich vielleicht nicht oft jemand kümmern konnte…
Wir haben Angst und vielleicht Probleme Euch sofort zu vertrauen, einfach weil wir viel erlebt haben.
Unsere Entwicklung ist auf dem Stand eines 2-3 jährigen Kindes, nur ohne das Sprechen. Stellt Euch vor wie die da drauf wären. Von denen erwartet auch keiner Perfektion vom ersten Moment an. 😉

Mein Frauchen war schon froh, dass ich was gefressen habe und sich nach 3 Tagen die krassen Stress-Durchfälle gelegt hatten. Sie hat nie geschimpft, sondern mit gestreichelt und auf mich beruhigend eingeredet, wenn ich Nachts gespuckt hab. Sie hat mich zu sich ins Bett geholt, weil ich Nachts immer wieder aufgesprungen bin und gebellt hab wie bescheuert.
Sie hat kommentarlos auch mal eine Pfütze weggewischt, als ich so tief geschlafen hab und „ausgelaufen“ bin. „Sowas kann mal passieren in den ersten Wochen“ hat sie gesagt. Und sie hatte Recht. Ich wusste ja nicht wo ich hier bin und wie lange ich hier bleiben darf. Sie hat mich stattdessen nur viel gestreichelt, leise ganz lieb mit mir gesprochen und mich mit Leckerlies verwöhnt.

Wie gesagt, die Kommunikation ist halt schwer am Anfang.

Bitte habt Geduld mit uns und werft nicht die Flinte ins Korn, bevor ihr mal 3-4 Wochen mit uns erlebt habt. Wir kommen auch wieder runter, gebt uns einfach Zeit.

Denkt an Euch selbst mal zurück als verrückte und oft verkaterte Teenager, da wart ihr auch nicht immer liebenswert, aber ihr hattet es da am dringendsten nötig….

Grade die von uns, die es nicht so zulassen können, die brauchen es am meisten. Ist bei Menschen übrigens genauso. 😉

Geduld, Zeit, Liebe.

Das Trio zum Glück, ihr werdet sehen.

Passt gut auf Euch auf, es sind verrückte Zeiten,

Euer Inspektor Bienzle

 


Hallo zusammen,
hier spricht Inspektor Bienzle, ich bin neu hier im fürchterlich kalten Deutschland und habe eine Mission!
Meine Mission ist es, Euch ein wenig von meinem Leben und dem Leben meiner Kollegen aus der Vermittlung zu erzählen.
Ich glaub nämlich, dass wir uns manchmal nicht so richtig verständlich machen können und das für Euch Menschen dann echt kompliziert ist.

 

 

11.01.2022………Wer spricht hier überhaupt?

Ich bin noch keine zwei Jahre alt, ein Mischling, etwa einen halben Zentner schwer und ein „pubertärer Halbstarker“ sagt meine Chefin. Gut, dass ich so lustig und verschmust bin, denn sonst wäre sie vermutlich nicht so begeistert über meine Ideen.

Welche Ideen? Na z.B. ALLES was sich kauen lässt sofort fachmännisch hinzurichten, also von der Hundeleine bis zur Decke alles zu schreddern und auch genüsslich Teile davon zu verspeisen. Diese Teile kotze ich dann nachts auch gerne gegen 3 Uhr ins Bett, wohin ich mich regelmäßig schleiche.

Wenn sie dann fertig ist mit Bett frisch beziehen und mich sauber machen, komme ich natürlich zurück ins Bett, kuschle mich an sie und hauche ihr meinen Kotz-Atem ins Gesicht, was sie mir aber verzeiht, weil ich nämlich eine Superkraft habe: Ich bin süß und unfassbar liebevoll.

Diese Superkraft brauche ich auch, denn ich hab noch mehr Features: Pinkeln auf die Türschwelle (bis raus geht’s mir oft nicht schnell genug), die Schulter halb auskugeln auf Katzenjagd (kann ich ja nix für, wenn die Leine zu Ende ist, aber mein 4-Pfoten-Allrad einsetzt) oder eben meine Nagerei an allem was ich so finde…

„Gut, dass ich Dich liebhab“ sagt die Chefin dann immer, bevor sie mich hochhebt und mich wie ein Baby davonträgt.

Gut, ist hier auch, dass meine Chefin mit 1,88m und über 100 kg kein zierliches Persönchen ist, denn ich werde gerne getragen, ohja!!! Ich bin nämlich ein Baby müsst ihr wissen, ein Riesenbaby! Am liebsten werde ich hochgehoben und rumgetragen wie so ein Chihuahua, schaut albern aus, aber wir waren gestern im Restaurant ein echter Show-Act! Keiner konnte fassen wie so ein großer Hund einfach locker unterm Arm rumgetragen wird. „Sorry, sonst macht er Terror“ hat sie da lachend gesagt…

Und ich kann ganz schön Terror machen, wenn ich andere Hunde, oder besonders dunkle Rüden sehe.

Vermutlich hat mir so einer mal meine faustgroße Narbe an der Schulter verpasst, da fehlt nämlich ganz schön Fell und Muskeln drunter, da wurde echt ein Stück aus mir rausgebissen. Und so wie das verheilt ist, wurde ich wohl nicht behandelt…Genauso am Hals, da hatte mich wohl mal einer am Schlawittchen, für meine paar Monate Leben ist das ganz schön viel Schlimmes. Irgendwie verständlich, dass ich da so meine Problemchen mit andren Hunden habe. Helle Damen sind ok, aber der Rest ist eher Käse…wir arbeiten dran, wie an so Vielem.

Ich arbeite ja z.B. daran, dass man mir meine Leckerli auch ohne oder mit weniger Gegenleistung bekommt. Wer braucht schon dieses lästige „Sitz“ und „Bleib“, die ich eh nicht verstehe, weil ich spreche ja eigentlich im Moment noch eher spanisch. Ich komme aus Gran Canaria müsst ihr wissen und das merkwürdige Schwäbisch hier versteht doch eh keiner so richtig, oder??

Ich würd ja am liebsten den ganzen Tag unterm Baum hocken, auf den ich die Nachbarskatze immer jage, oder Stöckchen fressen. Ja, ihr lest richtig, ich fresse Stöckchen, die sind total lecker und dann kacke ich wie ein Bieber, pures Holz! Frauchen sammelt jetzt wie bekloppt den Garten ab, weil ich beim letzten Mal fast an einem Stückchen erstickt wäre….“Du Dummkopf, ich brauch dich noch“ hat sie mir da gesagt, als sie mir das Teil aus dem Rachen gepult hat…
Ich hatte früher wohl nicht immer soviel zu Fressen, daher versuche ich es jetzt eben mit Moos, Gras, Stöckchen, Schuhen, Schnürsenkeln und allem was so rumliegt (komisch, das wird irgendwie immer weniger).

Inspektor Bienzle heiße ich übrigens, weil ich überall meine kleine Nase reinstecken muss…in Körbe, Kühlschränke, unter Arme (damit ich gefälligst geschmust werde) und auch in Angelegenheiten, wo es eben ein wenig brennt.

Ihr hört in den nächsten Wochen noch mehr von mir, da erzähl ich Euch auch mal vom letzten Jahr hier, da gabs auch ein paar berichtenswerte Erlebnisse meiner Kollegen.

Bienvenido, Bienzle!